Trau dich!

Die diesjährige Fastenaktion der EKD läuft unter dem Motto: 7 Wochen ohne Kneifen. Wir werden jede Woche einen kleinen Impuls mit einer Aufgabe per Mail versenden und hier veröffentlichen! Möchtest du auch gerne die Emails praktisch auf dein Smartphone bekommen wollen, gib uns hier Bescheid!

 

1. Woche: Trau dich - zu lieben!

DEIN IMPULS

Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die Größte unter ihnen.“ 1.Kor. 3,13

Dies ist wohl einer der bekanntesten Verse aus der Bibel, wenn es um das Thema Liebe geht. Oft wird er auch als Trauspruch verwendet. Und heute starten wir mit ihm in unsere sieben Wochen Fasten.

In diesem kleinen Satz stecken drei Worte mit großer Bedeutung: Glaube, Hoffnung und Liebe.

Glaube! So unterschiedlich gelebt und doch in vielerlei Hinsicht so verbindend, der Menschen auf der ganzen Welt in seinen verschiedenen Formen Halt gibt, der Kriege entfacht und doch Menschen vereint und zusammenbringt im Namen eines Gottes.

Hoffnung! Die uns stark macht und uns über unsere Grenzen hinausgehen lässt, die nicht anfechtbar ist und doch so labil sein kann, die zerstört wird und wächst und die bekanntermaßen zuletzt stirbt.


Und die Liebe soll stärker und größer sein als all das?

Ja und Nein! Ja, weil sie uns glauben und hoffen lässt und Nein, weil diese drei Begriffe zusammengehören und nicht voneinander getrennt werden können.

Also, lasst uns glauben, hoffen, lieben – gemeinsam!

DEINE AUFGABE

Leider finden wir heutzutage oft nicht die Zeit unseren Liebsten zu sagen, was sie uns bedeuten.

Bevor unser Leben digital wurde, haben sich die Menschen Briefe geschrieben, um dies zu tun… und zwar mit der Hand.

Daher lautet die Aufgabe: Schreibe einen handschriftlichen Liebesbrief.

Dieser Brief muss nicht an den Partner gerichtet sein oder einen romantischen Hintergrund haben, sondern soll an eine Person aus deinem Leben adressiert sein, die dir am Herzen liegt und viel bedeutet.

Traust du dich ihn abzuschicken?


2. Woche: Trau dich - frei zu sein!

 

DEIN IMPULS

 

„Und stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern verändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, auf daß ihr prüfen möget, welches da sei der gute, der wohlgefällige und der vollkommene Wille Gottes.“ Röm 12,2

Diesmal ein Bibelspruch, der manchen von euch noch unbekannt sein könnte. Ich frage mich sofort, was ist Gottes Wille? Paulus, der den Römerbrief schreibt, der weiß sehr wohl, dass der Wille Gottes nicht einfach auf der Straße liegt, sondern gesucht werden muss. Aktiv!

 

Was möchte Gott, das ich tue? Wie möchte er, dass ich mich verhalte? Gegenüber meinen Mitmenschen, Freunden, Familie,…? Kann ich das erfahren und wenn ja wie?

Der Briefschreiber hat auch keine Masterlösung, aber einen sehr hilfreichen Tipp: Erneure deine Sinne! Wir alle sind Gewohnheitsmenschen. Wir gewöhnen uns an Verhaltensweisen, an Arten des Umgangs, aber auch an bestimmtes Essen, Kultur und vielem mehr. Wir brauchen auch diese Sicherheiten. Und dennoch tut es uns gut hin und wieder einmal eine andere Perspektive einzunehmen. Erst dann können wir prüfen, ob wir uns richtig verhalten und ob wir im Sinne Gottes unseren Weg gehen.

 

DEINE AUFGABE

Deine Aufgabe der Woche ist ein echter Härtetest. Diesmal geht`s wirklich ums Verzichten. 

Daher lautet die Aufgabe: Verzichte einen Tag auf dein Handy.

Du bist es gewohnt ständig auf dein Handy zu schauen. Whatsapp, Mail – Zurückschreiben, schauen wie viele Schritte du heute gegangen bist oder das Wetter checken. Pure Gewohnheit, denn die meisten Dinge haben Zeit. Zumindest einen halben Tag.

 

Traust du dich dein Handy auszuschalten? Schaffst du 8 Stunden oder gar mehr?

 

Am besten überlegst du dir jetzt gleich, wann du in der kommenden Woche dein Handy beiseitelegen willst. Wenn du willst, kannst du dich auch mit anderen zum „Handyfasttag“ verabreden. Wenn du es mehr als 8 Stunden schaffst, dann sag uns Bescheid, dann erwartet dich zum Ende der Fastenzeit eine kleine Überraschung!

 

Traust du dich auszuschalten?


3. Woche: Trau dich - zu danken!

 

DEIN IMPULS

 

„Bittet und ihr werdet bekommen! Sucht und ihr werdet finden! Klopft an und es wird euch geöffnet!“ Lk 11,9

 

„Lieber Gott, ich bitte dich für morgen, dass …“: Die Schulaufgabe, die morgen unerbittlich zeigen wird, was man kann – oder eben nicht. Der Geschäftstermin, der bereits in wenigen Minuten beginnt und für die eigene Zukunft viel bedeutet. Das flaue Gefühl im Magen, weil ein Treffen ansteht mit einem Menschen, dem ich Unrecht getan habe. In Situationen, in denen ich mir Beistand erhoffe, lerne ich plötzlich das Beten. Ich bitte und formuliere all meine Anliegen und Sorgen an Gott. Mir aller Inbrunst wende ich mich dem Allmächtigen zu im Wissen, dass sich Gott meiner Bitten annimmt.

Und in guten Zeiten? Wenn alles rund läuft? Dann brauche ich weniger Beistand? Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich Gott wie einen Selbstbedienungsladen sehe. Das gibt es auch unter Menschen. Nur: Wer immer nur eine Freundschaft in Anspruch nimmt, wenn sich daraus ein Vorteil für die Person selbst ergibt, dürfte weniger als „Guter Freund“ gelten.

Und schon ertappe ich mich dabei, wie sich ein leichtes schlechtes Gewissen ausbreitet. Bin ich Gott gegenüber wirklich dankbar für all das gelungene, für all meine Gaben, die mir zufliegen? Oder bin ich doch eher ein mieser Freund? Selten zögere ich im Gebet großzügig zu bitten für dies und das, für meinen eigenen Vorteil, für mein Leben.

Der Vers ermuntert uns, mit allem, was uns bewegt, zu Gott kommen. Ihm erzählen, wie es uns geht. Ihm anvertrauen, was uns umtreibt. Aber auch mit seinem Geist und damit mit seinen Möglichkeiten in unserem Leben rechnen, die uns helfen, dass wir uns ändern können und unter veränderten Vorzeichen immer wieder neue Wege ausloten können. Und dabei will ich mein Gebet um eine Komponente erweitern: Das Danke sagen! Für alles Gelungene, für alle Gaben, die mir geschenkt wurden. Gott ist nicht nachtragend, und wir dürfen zu ihm kommen, auch wenn ich das manchmal ein wenig ausnutze. 

 

DEINE AUFGABE

Beten ist gar nicht schwierig. Ein jeder hat seine eigene Art, sei es nun gemeinsam im Gottesdienst, im Stillen im Bett, in einer ruhigen Minute mit einer dampfenden Tasse Tee oder Kaffee, beim Joggen und vieles mehr. Wie wäre es, mal ganz bewusst jedes Gebet mit einem Dank zu beginnen? Mach dir klar, für was du dankbar bist.

„Lieber Gott, ich danke dir für…..“

 

Viel Freude beim Danken!

 


4. Woche: Trau dich - zu glauben!

 

DEIN IMPULS

 

„Und er sprach zu ihm, Stehe auf, gehe hin, dein Glaube hat dir geholfen.“ Lukas 17, Vers 19

Wie oft sprichst du mit Menschen über deinen Glauben? Wie oft tauschst du dich wirklich mit anderen aus? Heutzutage reden wenige Menschen gemeinsam über ihren Glauben. Es ist fast so, als wäre es ein Tabu-Thema. In einer gemütlichen Runde mit Freunden kann man über alles reden, aber über seinen Glauben? Man könnte natürlich zu einem Bibelkreis, in Gesprächsrunden oder Predigtvorgesprächen in der Gemeinde gehen, aber irgendwie bleibt das oft doch nur ein frommer Vorsatz. Woran liegt das eigentlich?

Es erfordert Mut mit Menschen über das zu reden, was einem viel bedeutet. Finden die es vielleicht doof? Sehen die das total anders? Mögen die mich danach nicht mehr? Ist mir mein Glaube vielleicht sogar ein wenig peinlich?

Kneifen und das Thema wechseln, da sind wir ganz groß drin. Es ist gar nicht so einfach, über seinen eigenen Glauben zu reden, weil man viel von sich preisgibt. Es macht mich angreifbar und verletzlich.

ABER: Der Glaube ist das, was dich trägt, er stärkt dich durch und durch und begleitet dich auf deinen Weg. Jeder hat seine eigene Geschichte zum Thema Glauben und jeder hat andere Erfahrungen gemacht. Es ist unglaublich befreiend mit Menschen darüber zu reden, die vielleicht auch eine komplett andere Ansicht haben. Es kann helfen, sein Gegenüber besser zu verstehen und damit auch sich selbst.

 

DEINE AUFGABE

Geh auf einen Freund/in zu und sprich ganz offen mit ihr/ihm über deinen Glauben. Wenn du möchtest, schreibe deine Erfahrungen auf einen Zettel, stecke ihn in einen Umschlag und bewahre ihn auf.


5. Woche: Trau dich - ehrlich zu sein!

 

DEIN IMPULS

„Es ist das Wort ganz nahe bei dir, in deinem Munde und in deinem Herzen, dass du es tust.“ (5. Mose 30,14)

Peinlich diese Situationen, in denen man bloßgestellt wird! Da ist man ausgesprochen höflich und der eigene kleine Sohn plappert drauflos: Papa, du hast doch gesagt, dass du Frau XY nicht ausstehen kannst, weil sie so eine dumme … ist! Die Durchblutung der Gesichtshaut nimmt zu, ein Räuspern, Klarstellungen, der verzweifelte Versuch, das Gespräch mit der „Dame“ möglichst schnell zu beenden. Manche sagen: Kindermund tut Wahrheit kund. Jedenfalls solange die lieben Kleinen noch nicht völlig „verdorben“ sind und sich um Höflichkeit bemühen.

Peinlich auch diese Situationen, in denen sich Worte in unserem Munde selbstständig machen und die Flucht auf die Lippen antreten. Da erzählt uns jemand etwas und die dümmste, aber absolut treffende Bemerkung „fällt“ uns gleichsam aus dem Mund. Der andere ist zunächst irritiert, dann beleidigt, schlimmstenfalls gekränkt. Peinlich, wenn man seine Meinung über irgendetwas allzu flapsig äußert und prompt jemand dabeisitzt, der unmittelbar betroffen und getroffen ist! Vor allem, wenn eine Meinung Sachkenntnis voraussetzt, die man selber nicht im erforderlichen Umfang hatte. - Ich gestehe: Alles schon selbst erlebt: Als peinliches Kind angefangen über die Rolle des bloßgestellten Vaters bis hin zum ahnungslosen Meinungsvertreter.

Unser Zusammenleben ist schon kompliziert. Doch einem andern immer die Wahrheit wie einen Waschlappen um die Ohren hauen und eben nicht wie einen wärmenden Mantel umlegen – ich weiß nicht.

Dabei: Klare Worte sind auch mal angebracht, und ständiges Sich-Verbiegen tut dem seelischen Rückgrat so wenig gut wie dem körperlichen. Ich bewundere Kinder mit ihrer Ehrlichkeit. Wäre es nicht wunderbar, wir würden die Wahrheit nicht nur sagen, sondern auch leben?! Wenn man bloß immer wüsste, was die Wahrheit ist! Und wie viel Ahnung muss man haben, um sich eine Meinung erlauben zu können?

Das Problem ist offensichtlich: Vieles in unserem Leben ist ganz schön „schräg“. Nicht wahr, nicht falsch, eher „lau“. Und manchmal ist es (seien wir ehrlich!) ganz schön verlogen! Denn ein wenig Lüge ist oft schlimmer als eine große: Wenn die Lüge mit der Wahrheit kuschelt, so dass man beide nicht mehr auseinanderhalten kann: Es ist nicht falsch, es ist nicht wahr, es ist irgendwas von allem. Eben: lau! Pfui!
Und doch- wenn wir ganz genau hinhorchen, dann hören wir vielleicht  tief in unserm Herzen die Wahrheit flüstern.

DEINE AUFGABE

Lass sie raus. Sag einfach mal deine Meinung. Trag dein Herz auf der Zunge. Du darfst ja dabei höflich bleiben. Aber ehrlich! Echt jetzt.


6. Woche: Trau dich - zu fühlen!

 

 

 

Liebe Mitfastende,

als Menschen macht uns vor allem eines individuell: Unsere Gefühle. Es gibt fünf Grundgefühle, die sich ganz unterschiedlich ausprägen können. Es ist Angst, Wut, Freude, Traurigkeit und Scham.

Die Wut beispielsweise kann sich ansammeln und wenn sie zu viel wird, platzt sie aus uns heraus, ganz egal ob der Moment gerade geeignet ist oder nicht. Man lernt die Wut zu zügeln und nur dort  zu entladen, wo es auch hilfreich ist, aber nicht immer gelingt uns das.

Es gibt noch so eine Emotion, die wir nicht immer im Griff haben. Schon einmal von einem Hochhaus gesprungen? Ich nicht. Das könnte ich nicht. Ich hab ja schon Ehrfurcht vor diesen Kettenkarussellen am Rummelplatz. Angst macht krank, sagt man auch. Sie kann uns so verbiegen, dass wir anders handeln, als wir es ohne sie gerne täten.

Die Karwoche spiegelt eine Reihe von Emotionen wieder. Vom „Hosianna in der Höh“ bis zur Angst, dass nun doch alles verloren ist und gar der Wut gegenüber den Peinigern. Starke Emotionen und nicht zuletzt die Trauer.

Die Trauer, die uns in Mark und Bein geht. Sprachlosigkeit beim Anblick des Todes. Der Atem stockt, die Augen werden weich und dann rollen Tränen. Man möchte Schreien. Es ist ungerecht, es ist traurig, es ist entsetzlich.

Wie gut tut es da, seine Emotionen  herausweinen, ja herausschreien zu dürfen. Aber können wir das überhaupt noch? Emotionen zulassen. Dürfen wir Angst haben? Trauen wir uns traurig zu sein? Eine meiner Lieblingsszenen der Bibel hat auch mit solchen starken Emotionsausbrüchen zu tun. Jakob, der den Bruder um seinen Erstgeborenensegen betrügt, flieht aus Angst vor der Rache seines Bruders. Nach zweimal sieben Jahren entschließt er sich mit seinem ganzen Gefolge zurückzukehren. Er schickt Boten voraus, die ihm berichten, dass auch Esau ihm entgegenzieht. Er möchte Esau besänftigen und sendet allerlei Tiere und Mägde.

Nun sehen sie sich von Weitem. Jakob erkennt den guten Willen seines Bruders und sie rennen aufeinander zu, sie freuen sich aneinander, sie umarmen sich und – sie weinen vor Glück!

DEINE AUFGABE

In der vergangenen Woche haben wir versucht ehrlich zu sein. Ehrlich gegenüber anderen Menschen. Besonders schwer ist es, zu sich selber ehrlich zu sein.

Diese Woche hast du die Aufgabe, deine Gefühle wahrzunehmen, sie anzunehmen und ihnen Raum zu geben!

 


7. Woche: Trau dich - zu hoffen!

Liebe Mitfastende,

Gefühle wahrnehmen und annehmen. Das ist auch in der Karwoche wichtig. Am Ende steht aber die Hoffnung. Doch was haben all unsere Gefühle mit der Hoffnung zu tun?

DEIN IMPULS

Und es geschah, da er mit ihnen zu Tische saß, nahm er das Brot, dankte, brach's und gab's ihnen. Da wurden ihre Augen geöffnet, und sie erkannten ihn. Und er verschwand vor ihnen.  Und sie sprachen untereinander: Brannte nicht unser Herz in uns, da er mit uns redete auf dem Wege, als er uns die Schrift öffnete?    Lk 24, 31-32

 

Ein echter Gefühlswandel, den die beiden Jünger da erlebten. Von dem Geschehen um Jesus ganz zermürbt und trauernd kehren sie zurück. Dann begegnet ihnen Jesus, ohne, dass sie ihn zunächst erkennen

„Brannte nicht unser Herz?“, fragten sie sich. Ein starkes Gefühl, braucht starke Bilder. Ich brenne für Etwas, ich bin Feuer und Flamme.

Wenn wir in unserem Dekanatsjugend-Team zusammensitzen und planen, dann diskutieren wir um die ein oder Idee. Es vergeht schon mal eine ganze Zeit bis aus einer guten Idee ein „Das ist es!“ wird. Wenn wir uns dann an die Details und Termine machen, dann brennen wir für dafür und freuen uns schon riesig auf den Tag X, bei dem es dann endlich losgeht.

In den vergangenen Wochen haben wir uns im Umgang mit uns selbst geübt. Wir haben versucht ehrlich zu sein, auch gegenüber uns selbst. Wir waren dankbar für das was uns bewegt hat und konnten uns lieben Menschen anvertrauen. Wir haben versucht auf Alltägliches zu verzichten und haben gebetet. Eine kleine Reise zu uns selbst und unserem Innersten.

Wir alle haben Sehnsüchte. Sucht, unseren Wahrheiten nachzugehen, uns zu entfalten, unsere Person zu entwickeln und zu verwirklichen. Wir alle brennen für das, was wir können und für das was uns ausmacht.

Das ist Hoffnung. Eine brennende Seele, die weiß wofür es sich zu leben lohnt, auch im Angesicht des Todes. Das ist Hoffnung.

 

Frohe Ostertage!

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